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10.07.2010 – Alt-Neuöttinger Anzeiger

Mord in Halsbach – vor 100 Jahren

Schicksal des Opfers Simon Krumbachner erforscht – Gedenkkreuz restauriert

Halsbach. Vor 100 Jahren, auf den Tag genau am 10. Juli 1910, geschah aus Geldgier ein heimtückischer Mord an Simon Krumbachner aus Unterbaumgarten. Erschlagen von einem mittellosen Tagelöhner. Von diesem Verbrechen zeugt ein Gedenkkreuz an der Straße von Brunnhaus nach Reit rechts am Waldrand. „Das grausame Schicksal meines Urgroßvaters in dieser armen Zeit hat mich sehr bewegt“, erzählt Alfons Salzeder. Und deshalb ließ er das Eisenkreuz zum Jahrestag restaurieren. 
Was hatte sich damals zugetragen? Restaurator und Geschichtsforscher Hans Aicher ging auf Spurensuche und wurde in verschiedenen Archiven fündig.

Der 59-jährige Bauer Simon Krumbachner, der Urgroßvater von Alfons Salzeder, hatte ein Kalb verkauft und war beim Wirt in Brunnhaus eingekehrt. Dort ließ er einen Hundertmarkschein wechseln und ging gegen 21 Uhr nach Hause. Als gegen 23 Uhr weitere Gäste heimgingen, fanden sie im Straßengraben in der Nähe von Kronhub einen schwer Verletzten. Nur an der Schnupftabakdose erkannten sie den Bauern Krumbachner. Mit großer Mühe brachten sie ihn auf sein Anwesen, aber er verstarb auf dem Weg dorthin. Da der Geldbeutel fehlte, lag zweifelsohne Raubmord vor.

Über diesen Fall und über die Festnahme des Tatverdächtigen berichtete der Burghauser Anzeiger am 14. Juli 1910. Demnach wurde der 21-jährige Tagelöhner und Erdarbeiter Max Preisacher aus Moosinning in Bad Annabrunn bei Mühldorf verhaftet. „Der Verhaftete war im Besitze vielen Goldgeldes und eines Geldbeutels, welcher genau dem Besitztum des Ermordeten entspricht“, schrieb der Anzeiger. Er gestand die Tat und wurde ins Amtgerichtsgefängnis Mühldorf eingeliefert. „Der gefährliche Bursche war in der Gegend gut orientiert, da er vorübergehend bei der Halsbach-Korrektion beschäftigt war und in Margarethenberg eine Geliebte hatte. Infolge seiner Mittellosigkeit gingen auf sein Konto mehrere Zechprellereien, Einbrüche und Diebstähle in der Umgebung. Auch ein Raubüberfall mit Messerstichen auf eine Dienstmagd zwischen Garching und Mauerberg wurde ihm angelastet.“

Über den ermordeten Krumbachner ist zu lesen: „Er war ein braver, seelenguter Mensch, der allgemein beliebt und geachtet war und dessen tragisches Ende in der ganzen Gegend lebhafte Teilnahme hervorrief. Krumbachner stand im Alter von 59 Jahren und hinterließ eine Witwe mit sechs Kindern im Alter von sechs bis 24 Jahren“.

Unmittelbar nach dieser schrecklichen Tat wurde am Ort des Verbrechens ein Gedenkkreuz aufgestellt. „Wahrscheinlich war es ein Grabkreuz aus einer Gießerei aus dem Achtal bei Teisendorf“, erzählt Hans Aicher. Ab 1860 gab es die ersten Kreuze auf Friedhöfen. Zunächst waren es geschnitzte Holzkreuze, später dann Gusskreuze. „Als um 1920 die Grabsteine aufgekommen sind, hat man die Kreuze von den Friedhöfen entfernt und als Gedenkkreuze verwendet“, erklärt er. Aicher hat von 1991 bis ins Jahr 2000 insgesamt 60 Wegkreuze in der Region restauriert, die jeweilige Historie dazu erforscht und dokumentiert. - rs
Gedenkkreuz
Dieses 1,30 Meter hohe Gedenkkreuz erstrahlt in neuem Glanz
und erinnert an das Verbrechen vor 100 Jahren.
Die Figurengruppe am Sockel stellt Maria,
Maria Magdalena und den Apostel Johannes dar.
(Foto: Spielhofer)

 


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