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10.04.2010 – Alt-Neuöttinger Anzeiger

Historische Wehr feiert Zehnjähriges

Jahreshauptversammlung in Racherting mit Rückschau in Bildern und Theater - Weisertbeauftragter gewählt

Halsbach. „Des is a Traum“, freute sich der Poschner Martl, der Chef der Rachertinger Wehr, als er zur Jahreshauptversammlung auch das 200. Mitglied des Vereins, Landrat Erwin Schneider, begrüßen konnte. Vor zehn Jahren hatte man die Wiedergründungsversammlung der Rachertinger Wehr als Aprilscherz eingestuft. Dass sich dieser gut gelaunte Haufen jetzt schon zehn Jahre durchschlägt und immer wieder mit außergewöhnlichen Aktionen für Aufsehen sorgt, hatte niemand erwartet.

Denn die Rachertinger sind nicht nur zum Feiern da, sondern es steckt auch viel Entwicklungsarbeit dahinter, um authentisch zu wirken. Angefangen von originalgetreuen Uniformen bis hin zum historischen Fuhrpark. Laufend auf der Suche nach „altem Zeug“, stöberten sie kürzlich ein Rüstwagerl der Marke Ziegler auf, etwa 70 Jahre alt. „Das hat nix kost, wir müssen es nur noch herrichten“, erklärte der Martl. Auf jeden Fall soll das Wagerl eine Anhängekupplung kriegen, damit es an die Rachertinger Beiwagen-Maschine angehängt werden kann. Und am Pfingstsonntag, 23. Mai, soll dann eine Rüstwagerl-Übung in Racherting durchgeführt werden.

Zum zehnjährigen Jubiläum zeigte der BGMB, der Bürgermeister-Bua Georg Pfaffinger jun., eine Mitglieder-Statistik als Balken-Diagramm, gefertigt aus Feuerwehr-Schläuchen, weil das neumodische Computer-Zeug „nix is“ für die Rachertinger. Von den 200 Mitgliedern aus allen Teilen des Landkreises sind 170 männlich, der Rest weiblich. Den größten Anteil haben die 41- bis 60-Jährigen mit 76 Mitgliedern. Es gibt sogar eine Dunkelziffer, denn acht Leute haben bei der Einschreibung offensichtlich ihr Geburtsdatum vergessen und können deshalb nicht zugeordnet werden. In seiner Rückschau informierte Pfaffinger, dass die Rachertinger in den Umkleiden im Mitterwirt die Sitzbänke spendiert haben.

Als der „Briegel“ Helmut Stummer den Kassenbericht erläutern wollte, war dieses wichtige Papier plötzlich verschwunden. Nach fieberhaftem Suchen fand man es schließlich beim Landrat. „Den nimmt er nach Burgkirchen mit“, war spontan aus der Versammlung zu hören. Heiter ging es weiter, als Kassenprüfer „Herr Hans“ Hans Thalhammer eine einzige Unregelmäßigkeit monierte: Es fehlte der Mitgliedsbeitrag von Landrat Erwin Schneider. Gar nicht verlegen, griff dieser zu seinem Geldbeutel und zahlte gleich für zwei Jahre. Und sogleich ging der Landrat zum „König des Südens“, zu Bürgermeister Hans Aicher aus Feichten, und kassierte für die Rachertinger den Beitrag im Voraus ein. Landrat Schneider genoss es sehr, einer Versammlung der ganz anderen Art beizuwohnen, wie er sagte. Außer beim großen Fest 2008 sei er noch nie bei den Rachertingern gewesen.

Bei den Rachertingern gibt es viele Kinder, weshalb es höchste Zeit war, einen kompetenten „Weisertbeauftragten“ zu wählen. Einstimmig wurde dieses wichtige Amt Franz Langlechner übertragen. Seine Aufgabe ist es nun, bei Rachertinger Familienzuwachs „die Lage zu checken“ und einen Termin zu vereinbaren, wann die Truppe zum „Weisert“ anrücken kann.

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Als 200. Mitglied gesellte sich Landrat Erwin Schneider (links) gerne zur einfallsreichen und lustigen Schauspieltruppe der Rachertinger.
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Der neue „Weisertbeauftragte“ Franz Langlechner (rechts), der Rachertinger Chef Martl Poschner und das neue „Rüstwagerl“.  (Fotos: Spielhofer)

Zum Jubiläum waren in einem Foto-Rückblick mittels „neumodischer“ Beamer-Show die vielen Aktivitäten der Rachertinger zu sehen. Ob der höchste Maibaum im Landkreis, das 1. Starkbierfest, Löschübung mit der restaurierten Feuerwehr-Leiter oder die Verleihung des Goldenen Martinshorns am Bande an den „Facke-Ferl“. Und als die Vogelgrippe grassierte, musste auch der Kuckuck im Rachertinger Wirtshaus geschützt und eingezäunt werden. Höhepunkt der Erfolgsgeschichte war das dreitägige Fest mit Spektakel und Fahnensegnung im Jahr 2008. Bekannt für ihre schauspielerischen Fähigkeiten, sorgten vier heitere Episoden aus dem Feuerwehrleben für viel Gaudi und Applaus von den über 100 anwesenden Freunden der Rachertinger Wehr. – Rosi Spielhofer


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