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01.09.2009 – Alt-Neuöttinger Anzeiger

„Servus, Herr Pfarrer Werndle!“    

Verabschiedung mit Festgottesdienst und kleiner Feier im Schulhof - Gestern Umzug nach Kößlarn

Halsbach. „Servus, Pfüad Gott, Auf Wiedersehen“ - unzählige Pfarrangehörige reihten sich im Schulhof ein, um sich von Pfarrer Gottfried Werndle an dessen letztem Arbeitstag in der Pfarrei Halsbach mit einem kurzen Gespräch und einem Händedruck persönlich zu verabschieden.

Beim festlichen Abschiedsgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin blickte Pfarrer Werndle voller Dankbarkeit auf die zwölf Jahre in Halsbach zurück: „Die Menschen haben mich angenommen und haben mit mir fair an einem Strang gezogen. Ich habe Wohlwollen, Vertrauen, Solidarität und echte Freundschaft erlebt.“ Sicherlich sei ihm hin und wieder etwas auf die Nerven gegangen, sicherlich habe er sich manches anders vorgestellt, sicherlich habe er auch Enttäuschungen erlebt, sicherlich habe er nicht alles wegstecken können und sei an seine Grenzen gelangt. „Wir Christen wissen, dass wir alles Gute Gott zu verdanken haben. Gott wird die Pfarrgemeinde und mich auch in Zukunft leiten, es ist Sache des Vertrauens. Wir stehen heute am Wendepunkt. Es ist mein Wunsch, die gemeinsame Vergangenheit und die Zukunft in Gottes Hände zu legen“, sagte Werndle in seiner bewegenden Abschiedsrede.

„Wir sind die
 Beschenkten“

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Pfarrer Gottfried Werndle (rechts) freute sich sehr über dieses Kunstwerk, das Geschenk der Halsbacher Vereine an ihn. Hobbykünstler Franz Gruber hat es geschnitzt. (Foto: Spielhofer)

„Das wirklich Beständige im Leben ist die Veränderung.“ Mit diesem Zitat begann Bürgermeister Georg Pfaffinger seine Ansprache zum Abschied. Veränderung hätten die Halsbacher erfahren, als Werndle vor zwölf Jahren nach Halsbach kam. „Wir sind die Beschenkten. Wir sind dankbar, dass Sie mit uns ein schönes Stück Leben gegangen sind. Es war eine schöne, wertvolle Zeit und wir alle sind zwölf Jahre älter geworden“, so Pfaffinger. Im Namen der politischen Gemeinde dankte er dem Pfarrer für die gute Zusammenarbeit: „Sie haben unsere Feste mitgefeiert und die Gottesdienste würdigst gestaltet.“

Pfarrgemeinderatsvorsitzende Rosmarie Oberbuchner brachte ihren herzlichen Dank zum Ausdruck für die gute Zusammenarbeit mit Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung. „Zwölf Jahre sind Sie uns vorangegangen. Sie waren uns Vorbild und Vertrauensperson. Sie hatten Ihr Ohr und Ihr Herz in der Pfarrei. Sie gaben uns Richtung und Prioritäten. Ihre Gottesdienste waren geprägt von Ehrfurcht und tiefer Frömmigkeit“, betonte Oberbuchner und fügte eine kleine Statistik an. Werndle habe etwa 2000 Gottesdienste in Halsbach gehalten, 143 Kinder getauft, 36 Brautpaare getraut und 103 Verstorbene beerdigt. „Sie haben uns begleitet mit Ihrer Herzlichkeit und Ihrem Trost, sprichwörtlich ,von der Wiege bis zur Bahre‘. Wir werden Sie vermissen“, sagte Oberbuchner sichtlich ergriffen. Als gemeinsames Geschenk von Pfarrei und Gemeinde überreichten Oberbuchner und Pfaffinger eine Tunika und zwei Stolen.

Als Sprecher der Halsbacher Vereine und Verbände brachte Simon Obermeier wieder Heiterkeit in die Kirche. In Gedichtform resümierte er das Wirken von Gottfried Werndle und sagte zum Schluss: „Wir wollen nicht traurig sein, wir wollen Vergelt’s Gott sagen, dass wir Sie zwölf Jahre haben durften.“ Ebenfalls ein heiteres Gedicht hatte das „Mesner Nandl“ verfasst und Anna Leitl trug es vor. Darin offenbarte sie das Zigarillo-Rauchen des Pfarrers und dass er einem Gläschen Rotwein nicht abgeneigt sei.

Ein großer Dank der Instanzen ging auch an Pfarrhaushälterin Marianne Hartl, die mit dem Pfarrer nach Kößlarn zieht. Mit ihrem gastfreundlichen Wesen habe sie dem Pfarrhof eine persönliche Note gegeben und diesen zu einem offenen Haus gemacht. Sie habe Aufgaben übernommen, die oft nicht gesehen und als selbstverständlich hingenommen werden. Daneben sorgte sie mit großem Geschick für den Blumenschmuck in der Kirche, sang im Kirchenchor und war in der Vorstandschaft beim Frauenbund und in der Landvolkbewegung tätig.

„Ich bin ein
 Halsbacher geworden“


Im Gespräch mit der Heimatzeitung freute sich Pfarrer Gottfried Werndle über die schöne Abschiedsfeier, die von großer Herzlichkeit geprägt war. Er hat gemerkt, dass er in Halsbach gut angenommen und in den vergangenen zwölf Jahren den Menschen eine Stütze war. „Ich bin ein Halsbacher geworden“, sagte er voller Überzeugung. Einerseits fällt es ihm nicht leicht zu gehen, andererseits gibt ihm der Zuspruch der Pfarrangehörigen Mut, die neue Aufgabe im Pfarrverband Kößlarn/Malching anzugehen. Am kommenden Samstag, 5. September, wird er in Malching und dann am Sonntag in Kößlarn offiziell empfangen. Gestern Nachmittag machten sich Pfarrer Gottfried Werndle und Pfarrhaushälterin Marianne Hartl auf den Weg in ihre neue Heimat in Niederbayern. - Rosi Spielhofer


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