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03.10.2009 – Alt-Neuöttinger Anzeiger

Vor einem Jahr: Ein Dorf steht auf gegen die NPD    

Am 3. Oktober 2008 war in Halsbach Großdemo – Es herrscht zwar Ruhe, aber Bürgermeister und Pfarrer mahnen zur Vorsicht

Halsbach. Heute vor genau einem Jahr war ein Dorf in Aufruhr: Damals sagte Halsbach am Tag der Deutschen Einheit deutlich Nein zur rechtsradikalen NPD und bekam breite Unterstützung aus der Bevölkerung. Denn 2800 Demonstranten waren zu dieser Veranstaltung gekommen - und das trotz des schlechten Wetters.

Der Grund der Demonstration war, dass die Braunen das Landgasthaus Gruber in Halsbach pachten oder kaufen wollten. Ein Aufschrei ging durch das Dorf - und schnell gründete sich eine Initiative gegen Rechts. Das „Aktionsbündnis engagierter Bürger“ hatte zur Demo unter dem Motto „fröhlich, friedlich, naziFREI“ aufgerufen. Paul Blösl war damals einer der Initiatoren: „Das Bündnis war eine spontane Geschichte“, sagt er heute. Es hatte nicht das Ziel „langfristig zu wirken“. Aber, so Blösl, „es gibt die Menschen noch“ und „die Bereitschaft ist nach wie vor da, wieder etwas zu machen, wenn wieder etwas wäre“. Doch darauf ist keiner der Betroffenen mehr aus. „Es waren zwei sehr nervenaufreibene Monate für alle Beteiligten“, erinnert sich Blösl.

Halsbachs Bürgermeister Georg Pfaffinger ist den Organisatoren heute noch für ihr Engagement dankbar: „Das war eine unwahrscheinlich gute Geschichte.“ Dabei war damals auf Pfarrer Michael Witti aus Feichten. Der Jugendseelsorger im Landkreis Altötting ist noch heute beeindruckt von den vielen Teilnehmern. „Sie sind aufgestanden, weil sie das nicht hinnehmen wollten“, sagt Witti. „Das hat mir gezeigt, dass wir doch nicht so politikverdrossen sind und hinter den demokratischen Grundsätzen stehen.“

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Heute vor genau einem Jahr sind sie marschiert: 2800 Demonstranten sagten in Halsbach Nein zur NPD und marschierten dabei auch zweimal am Gasthaus Gruber vorbei − die rechtsradikale Partei wollte das Gebäude damals kaufen. Auf dem Balkon des Wirtshauses schauten eine Gruppe Neonazis, um den verurteilten Straftäter Norman Bordin dem friedlichen Demonstrationszug zu. (Foto: Schwarz)

Mittlerweile ist laut Bürgermeister Pfaffinger wieder Ruhe in das Dorf eingekehrt. „Das Thema schwingt aber bei jedem sicherlich noch mit, bei einem stärker, beim anderen schwächer.“ Auch Witti mahnt zur Vorsicht. „Man muss das Thema immer wieder zur Sprache bringen und in alle Richtungen wachsam bleiben“, so der Pfarrer. Schon in der Jugendarbeit müsse eine Sensibilisierung erfolgen. Und die NPD tritt im Landkreis immer wieder in Erscheinung, wie die jüngsten Umtriebe im August diesen Jahres in Töging und Altötting (wir berichteten) zeigen. Pfaffinger sieht ebenfalls noch immer eine Bedrohung durch die Braunen. „Vor allem der 3. Oktober und der Volkstrauertag sind markante Punkte, bei denen solche Gruppen gefährlich sind“, ist er überzeugt.

In Sachen Gasthaus-Verkauf hat sich in Halsbach indes nichts mehr getan. Wie es mit diesem weitergehen wird, weiß momentan niemand so recht. „Wir haben keine Informationen“, sagt Pfaffinger. „Aber ich hoffe, dass es für uns alle positiv ausgeht.“ Ludwig Willmerdinger führt zurzeit die Geschäfte für Besitzer Alois Gruber junior, wie er dem Anzeiger auf Nachfrage mitteilte. „Die Gaststätte wird von gewissen Leuten boykottiert“, sagt Willmerdinger. Mehr wollte er nicht sagen. Alois Gruber junior, der das Gebäude vor gut einem Jahr für die wohl überhöhte Summe von 1,256 Millionen Euro verkaufen wollte, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Braunen dürfen die Gasträume momentan aber wohl auch als Mieter nicht mehr nutzen. Heute vor einem Jahr war das noch anders: Da schaute eine Gruppe von Neonazis vom Balkon des Wirtshauses der Demonstration zu - und die verfehlte ihre Wirkung nicht. „Das war schon eine gewaltige Aussage“, lobt Pfaffinger die zahlreichen Demonstranten, die still durch die Straßen zogen. „Jeder der dabei war, hat deutlich gezeigt: Wir stehen hinter euch Halsbachern.“ Damals war das Dorf in heller Aufregung, mittlerweile ist wieder Ruhe eingekehrt - und das soll auch so bleiben.  - sb


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