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11.05.2009 – Alt-Neuöttinger Anzeiger

Das Theater-Jubiläum steht ganz im Zeichen der Panduren

Vor 25 Jahren gingen die Halsbacher Laienspieler erstmals mit dem „Schwarzen Jahr“ vors Publikum – Traditions- und Geschichtsbewusstein

Halsbach. Wenn es nach den Halsbachern ginge, dürfte das Jahr 2009 gut und gerne drei Monate länger dauern, so vollgestopft ist der Terminkalender des Landvolktheaters und der Waldbühne für diese Saison. 2009 ist für Halsbach aber auch kein gewöhnliches Jahr, wurde doch vor 25 Jahren mit dem Kernstück der Halsbacher Theaterarbeit, „Das Schwarze Jahr“, der Grundstein gelegt für eine Kulturarbeit, deren Ausmaß lokal als auch überregional, ja sogar europaweit niemand auch nur in Ansätzen erahnen konnte. Mit einer Ausstellung über bäuerliche Handwerkskunst und Lebensfreude im Gallersöder Bundwerkstadel begann alles im Jahr 1983. Der Begriff Sommertheater geisterte plötzlich in den Köpfen von Franz Blüml, Simon Maier, Georg Pfaffinger und Martin Winklbauer, so allmählich wurde ein Theaterstück geboren. Was die Theatergruppe um Stückeschreiber und Regisseur Martin Winklbauer seither auf die Beine gestellt hat, sucht in weitem Umfeld seinesgleichen und wurde bereits mit mehreren Kulturpreisen ausgezeichnet.

Mit den Panduren fing alles an. 1742 suchten kroatische Reiterhorden das Dorf im Zuge des österreichischen Erbfolgekrieges plündernd und brandschatzend heim; ein großes Votivbild in der Halsbacher Pfarrkirche erinnert an dieses Ereignis. Aus diesem Stoff entstand aus der Feder von Martin Winklbauer im Jahr 1984 das Stück „Das schwarze Jahr“, das die Theatertradition des Landvolktheaters begründete.

Halsbach hat sich in den letzten 25 Jahren zu einer wahren Hochburg eines neuen, ebenso traditions- wie geschichtsverbundenen Laientheaters entwickelt. Das Jubiläumsjahr bietet sich geradezu an, um in einer Retrospektive die bekanntesten Stücke der letzten 25 Jahre Revue passieren zu lassen und den Weg in eine kulturelle Zukunft weiterzuentwickeln. Über 15 verschiedene Events gibt es heuer auf der Waldbühne und auswärts. Baron Trenck, die Panduren und Kroatien sind passend zum schwarzen Jahr die Theaterschwerpunkte im Jubiläumsjahr.

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Lebendige Geschichtsstunde im Stück „Das Schwarze Jahr“: Mit großer Brutalität gingen die Panduren gegen die Dorfbevölkerung vor. (Foto: Kleiner)

Tiefe Freundschaft
 zu Kroatien

Im kroatischen Kutjevo geht’s am 21. Mai los. Zu dieser Gemeinde, aus der nachweislich Trenck’sche Panduren stammten besteht im Rahmen des Projektes „Pandurenweg“ seit 2005 ein intensiver freundschaftlicher Kontakt, der zu mehreren kulturellen Gemeinschaftsproduktionen geführt hat. Diesmal ist es ein Schlossfest, bei dem die Halsbacher ein Stück um den weltberühmten Wein aus Kutjevo aufführen, dessen Paten sie sind.

Vom 25. bis 29. Juni macht sich eine 60-köpfige Halsbacher Pandurenschar unter der Leitung von Baron Trenck (Martin Winklbauer) in voller Montur, mit 20 Pferden und Gespannen, begleitet vom original kroatischen Pandurenorchester von Mirko Cac´ic´ auf den Weg entlang der bayerisch-österreichischen Grenze. Der Kulturmarsch führt durch jene Orte, die vor 250 Jahren von den Panduren heimgesucht wurden. Dabei geht’s von Engelhardtszell über Passau nach Füssing, Altheim und Burghausen. In acht Orten sind Aufführungen mit lokalem historischen Schwerpunkt bezüglich des österreichischen Erfolgekriegs sein.

Wieder daheim, gibt es auf der Waldbühne einen musikalischen Leckerbissen. Alois Rottenaicher hat die Operette „Baron Trenck - der Pandur“ des kroatischen Komponisten Felix Albini bühnentauglich überarbeitet. Unter seiner Leitung wird der 40-köpfigeTheaterchor, in den letzten Jahren ob seiner Qualität zum Aushängeschild der Waldbühne avanciert, den Panduren Trenck zur Premiere bringen. 
Mit dem Thema Kroatien geht’s am 18. Juli beim Waldfest mit der kroatischen Mädchenband Garavuse, die erstmals nach Halsbach kommen, auf der Waldbühne weiter. In ihrer Heimat bringen diese jungen Damen mit ihren heißen Rhythmen jeden Saal zum Kochen.

Das eigentliche Jubiläumsfest für alle Mitwirkenden aus den letzten 25 Jahren ist dann am 25. Juli auf der Waldbühne. Gönner und Freunde aus Kultur, Politik und Wirtschaft, aus kirchlichen Kreisen sowie Offizielle und Freunde aus den Partnergemeinden in Österreich, Tschechien, Kroatien, Polen, Ostfriesland u.a. werden mitfeiern. „Das Schwarze Jahr“ wird das zentrale Theaterstück des Abends sein. Fünf weitere Theaterabende mit diesem Stück folgen vom 28. bis 1. August jeweils mit Vorprogramm ab 18.30 Uhr auf der Waldbühne.

Zwischen Märchen
 und Politik

Weitere Höhepunkte im Jahresprogramm sind von 11. bis 13. Juni das aufwühlende Stück „Das Vermächtnis“ , jeweils ab 20 Uhr auf der Waldbühne. Hier wird der Gewissenskampf des Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstetter aus St. Radegund aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges eindrucksvoll verarbeitet. Auch das beliebte Märchenstück „Acheza“ darf im Jubiläumsjahr nicht fehlen, in dem die knorrigen Bäume lebendig werden und auch sonst wunderliche Dinge im Wald geschehen (9., 13., 14. und 15. August, jeweils ab 20 Uhr). Der Bauer in der Kutte“, das Leben des Nikolaus von der Flüe, wird die Zuschauer vom 18. bis 20. September auf der Waldbühne in seinen Bann schlagen. Gastspiele beim Dürnitzforum in Burghausen oder in Ostfriesland runden das Programm ab. Vom 27. November bis einschließlich 13. Dezember gehört dann der Wald rund um die Waldbühne wieder allen Waldweihnacht-Begeisterten. - Christl Kossack


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